CORONA

Boomerang aus dem Tierreich

Ende Februar ging es plötzlich ganz schnell: Noch bevor die Ausbreitung des Coronavirus Covid-19 zur globalen Pandemie erklärt wurde, verbot das Herkunftsland China den Verzehr und Handel von Wildtieren im ganzen Land. Dass das Virus von der Fledermaus auf den Menschen übergesprungen ist, gilt als nahezu sicher. Als Zwischenwirt wird das Schuppentier vermutet – beide Tierarten wurden in bestimmten Regionen Chinas gehandelt und verzehrt. Doch das Problem lässt sich nicht allein erklären mit asiatischen Traditionen, zu denen auch die „Wet Markets“ zählen – Märkte, auf denen lebendige oder frisch geschlachtete Tiere gehandelt werden. In winzigen Käfigen warten dort Geschöpfe, die sich in freier Natur niemals begegnet wären, nebeneinander auf ihr Ende, und die Mikroben können ungehindert von Wirt zu Wirt springen.

Vielmehr stellt sich das globale System der industriellen Fleischproduktion als das Hauptproblem heraus: Es zählt zum Markenzeichen der Massentierhaltung, Tiere wie Schweine, Hühner oder Gänse in aberwitziger Anzahl auf engstem Raum zusammenzupferchen – ideale Bedingungen für die Verwandlung von Mikroben in tödliche Überträger. „Industrielle Tierhaltungen sind in der Realität komplett offen für den Ein- und Ausgang von Krankheitserregern“, sagt der Lebensmittelexperte und Geophysiker Dr. Kurt Schmidinger von der Initiative „Futurefood“ zur Förderung von Fleischalternativen: „Einerseits kommen Tiere aus anderen Zuchtbetrieben, Brütereien oder Nutztiermärkten von außen in die Betriebe. Andererseits verlassen enorme Mengen Tiere diese Anlagen in Richtung anderer Betriebe, Märkte oder Schlachthäuser.“

Risiko Massentierhaltung: Höchste Zeit umzudenken!

Nach Angaben der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO stammen 75 Prozent aller neu auftauchenden Krankheitserreger aus zoonotischen, also vom Tier auf den Menschen übertragenen Quellen. Die bekanntesten menschlichen Krankheiten, die durch den Sprung über die Artengrenze erst möglich wurden, sind neben der Corona-Krankheit des Jahres 2020 die Schweine- und die Vogelgrippe (erstmals beobachtet 1976 bzw. 1997), das Ebola-Fieber (1976) sowie die akuten Atemwegssyndrome SARS (2002) und MERS (2012).

Dabei ist die Mutation von tierischen Mikroben zu menschlichen Krankheitserregern keineswegs neu: „In der neolithischen Revolution begann der Mensch, Lebensräume in der Wildnis zu zerstören, um Ackerland zu gewinnen und Tiere zu domestizieren. Zum Dank übertrugen Kühe die Masern und Tuberkulose, Schweine den Keuchhusten, Enten die Grippe“, schreibt die renommierte US-Wissenschaftsjournalistin Sonia Shah in einem Beitrag für „Le Monde diplomatique“.

Eine sehr alte Geschichte also, jedoch hochaktuell in ihrer Dynamik: Allein in den letzten zehn Jahren, so Sonia Shah, „haben US-Wissenschaftler, finanziert von der US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit, über 900 neuartige Arten von Viren identifiziert, deren Entstehung direkt oder indirekt mit dem Eingriff des Menschen in immer mehr Weltregionen zusammenhängt.“ Provoziert unser Umgang mit Tieren geradezu das Risiko weiterer Pandemien? Neben unberechenbarer zoonotischer Viren sieht Dr. Schmidinger sogar noch „ein zweites Fiasko“ auf uns zurollen: „Der massive Einsatz von Antibiotika in der industriellen Nutztierhaltung bewirkt immer stärkere Antibiotikaresistenzen, die dazu führen können, dass Antibiotika bei durch Bakterien verursachten Krankheiten eines Tages nicht mehr helfen.“

Höchste Zeit umzudenken: Viren und Bakterien lassen sich nicht einsperren wie Schweine und Hühner.

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Hierbei handelt es sich um einen kurzen Auszug aus der Ausgabe der Vegan für mich 03/2020.

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