Für viele liebe Verwandte ist der erste Geburtstag des Kindes das unwiderstehliche Signal, danach zu fragen, ob es denn nun allmählich aufs
Töpfchen geht. Lassen Sie sich davon nicht beeinflussen, sondern warten Sie, bis Ihr Kind selbst dazu Anstalten macht. Die meisten Kinder sind erst mit zweieinhalb bis drei Jahren trocken. Und auch wenn's lästig ist, solange heißt es für Sie "warten und wickeln". Kinder, die zu früh sauber werden, haben nicht wirklich gelernt, ihre Ausscheidungen wahrzunehmen und zu kontrollieren, sie sind nur "dressiert". Das hat mit einer gesunden Entwicklung nichts mehr zu tun. Auch vermuten Psychologen, dass eine zu frühe Sauberkeitserziehung später ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper zur Folge haben und seelische sowie sexuelle Probleme verursachen kann. Auch wenn dies sicher nicht immer der Fall ist, warum sollte man es riskieren? Lassen Sie Ihrem Kind seine eigene Geschwindigkeit. Es ist ein Ergebnis einer lieblosen Leistungsgesellschaft, dass wir oft danach fragen, wie unser Kind sein sollte, anstatt es zu nehmen, wie es ist. Vielen kann es gar nicht schnell genug gehen, bis ein Kind spricht, läuft und sauber ist, als ob es hier einen
Wettbewerb zu gewinnen gelte oder ein Kind Nachteile befürchten müsste, wenn es sein eigenes Tempo hat. Aber es sei auch an dieser Stelle noch einmal wiederholt: Kinder, die in den genannten "Disziplinen" früh sind, werden keine besseren Schulkinder, sie sind nicht intelligenter und später nicht erfolgreicher als die Kinder, die sich Zeit nehmen. Das einzige, was bei der Eile herauskommen kann, sind bleibende Schäden an Leib und Seele.